Nach der Scheidung können Sie jederzeit beim Standesamt Ihren Geburtsnamen oder einen früheren Ehenamen wieder annehmen (§ 1355 Abs. 5 BGB) — kostenlos, ohne Frist. Kinder behalten ihren Namen. Anschließend müssen alle Dokumente aktualisiert werden.
Ihre drei Optionen nach der Scheidung
- Beibehaltung des Ehenamens: Ohne gesonderte Erklärung führen Sie den Ehenamen dauerhaft weiter
- Rückkehr zum Geburtsnamen: Sie nehmen Ihren Familiennamen vor der Ehe wieder an. War vor dieser Ehe bereits ein anderer Ehename geführt, kann auch dieser wieder angenommen werden (§ 1355 Abs. 5 Satz 2 BGB)
- Doppelname: Dem Ehenamen kann der Geburtsname vorangestellt oder angefügt werden — jedoch nur wenn der Ehename selbst kein Doppelname war
Ablauf der Namensänderung
- Persönliches Erscheinen beim Standesamt Ihres Wohnortes (oder des Standesamts, das die Ehe beurkundet hat)
- Unterlagen mitbringen: Personalausweis, rechtskräftiges Scheidungsurteil (mit Rechtskraftvermerk), Geburtsurkunde
- Abgabe der Namenserklärung — kostenlos nach § 1355 Abs. 5 BGB
- Sie erhalten eine Urkunde über die Namenserklärung
Alle Stellen, die aktualisiert werden müssen
| Dokument / Stelle | Zuständig | Hinweis |
|---|---|---|
| Personalausweis | Bürgeramt | Zeitnah aktualisieren |
| Reisepass | Bürgeramt | Gilt bis Ablauf, aber Reiseprobleme möglich |
| Führerschein | Straßenverkehrsamt | Gebührenpflichtig |
| Sozialversicherungsausweis | Deutsche Rentenversicherung | Kostenlos per Antrag |
| Krankenkassenkarte | Zuständige Krankenkasse | Neue Karte beantragen |
| Arbeitgeber / Lohnbuchhaltung | HR-Abteilung | Lohnsteuerdaten aktualisieren |
| Banken & Finanzdienstleister | Alle Bankinstitute, Depotbank | Schriftlich mit Urkunde |
| Finanzamt / ELSTER | Zuständiges Finanzamt | Steuernummer bleibt erhalten |
| Grundbuch | Grundbuchamt / Notar | Gebührenpflichtige Berichtigung |
Kindesnamen: Separat geregelt
Eine Namensänderung der Eltern beeinflusst nicht automatisch den Namen der Kinder. Kinder behalten ihren Nachnamen unverändert. Eine Änderung des Kindesnamens erfordert ein separates Verfahren nach dem Namensänderungsgesetz (NamÄndG) — mit wichtigem Grund und ggf. Zustimmung des Kindes (ab 5 Jahren).
Fristen: Wann muss der Antrag gestellt werden?
Es gibt keine gesetzliche Frist für die Namensänderung nach der Scheidung. Sie können Ihren Geburtsnamen oder früheren Ehenamen jederzeit nach Rechtskraft des Scheidungsbeschlusses wieder annehmen — auch Jahre später. Allerdings gilt: Je früher Sie handeln, desto einfacher ist die Aktualisierung aller Dokumente, und desto weniger Verwirrung entsteht im täglichen Leben und bei Behörden.
Kosten der Namenswiederannahme
Die Erklärung gegenüber dem Standesamt kostet in der Regel 30–50 €. Hinzu kommen die Kosten für neue Ausweispapiere: ein neuer Personalausweis kostet 37 € (unter 24 Jahren: 22,80 €), ein Reisepass 70 €. Die Änderung in Pass und Ausweis ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn sich der Name geändert hat. Führerschein und Fahrzeugpapiere müssen bei einem Wohnsitzwechsel ebenfalls aktualisiert werden. Insgesamt sollten Sie für den gesamten Prozess rund 150–300 € einplanen.
Akademische Titel und Doppelnamen
Akademische Grade (Dr., Prof.) sind kein Namensbestandteil im rechtlichen Sinne und bleiben unberührt von der Namensänderung. Wer einen Doppelnamen trägt — also z.B. „Müller-Schmidt" aus der Ehe — kann nach der Scheidung entweder den gesamten Doppelnamen beibehalten, auf einen der Teile verzichten oder zum Geburtsnamen zurückkehren. Die genauen Optionen hängen davon ab, wie der Doppelname ursprünglich gebildet wurde, und sollten beim Standesamt erfragt werden.
Ausländische Nachnamen und internationales Namensrecht
Bei internationalen Ehen gelten Besonderheiten: Welches Recht für die Namensführung maßgeblich ist, richtet sich nach Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsort. In vielen EU-Staaten ist eine Namensangleichung nach einer Scheidung möglich — auch wenn der Name im Herkunftsland einen anderen Status hat. EU-Verordnungen (insbesondere die VO (EU) 2016/1191) erleichtern die gegenseitige Anerkennung. Im Zweifelsfall hilft ein Anwalt für internationales Familienrecht oder das Bundesverwaltungsamt, das für Namensänderungen bei Deutschen im Ausland zuständig ist.
Wichtige Stellen für die Ummeldung im Überblick
Nach der Namensänderung beim Standesamt müssen zahlreiche Stellen informiert werden. Zu den wichtigsten gehören: Arbeitgeber (für Lohnsteuerdaten und Sozialversicherung), alle Banken und Versicherungen, Finanzamt, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Kraftfahrzeugzulassungsstelle, alle Abonnements und Mitgliedschaften sowie digitale Konten (E-Mail, Online-Banking, soziale Netzwerke). Eine Checkliste mit allen relevanten Stellen findet sich im Ratgeber-Buch.
Offizielle Quellen
§ 1355 BGB — Ehename (Gesetzestext) Bundesregierung.de — Namensänderung nach Scheidung bund.de — Behördenleistungen & FormulareAlle Behördengänge nach der Scheidung strukturiert abarbeiten
Das Ratgeber-Buch enthält alle Schritte für den Neustart nach der Scheidung.